Crowd Reading oder „Das Publikum lesen“ (Teil 2)

Im letzten Artikel habe ich angerissen, wie ich auf privaten Veranstaltungen das Publikum lese. In diesem Artikel möchte ich beschreiben, wie ich in Diskotheken, speziell in meinem Resident Laden dem Ballermann 6 in der Düsseldorfer Altstadt vorgehe.

Wie lese ich das Publikum in einem Club, speziell im Ballermann 6?

Dazu eine kleine Anekdote. Eine ehemalige Kollegin aus Banktagen, besuchte mich. Sie sagte zu mir:“ Wir haben fast fünf Jahre zusammengearbeitet. Aber ich habe dich noch nie so konzentriert arbeiten sehen, wie heute.“

Sie hat Recht. Ich bin extrem konzentriert im Ballermann 6. Und das hat auch seinen Grund. Anders als in allen anderen Diskotheken, in denen ich bis dato aufgelegt habe, wird im Ballermann kein Eintritt genommen. Wenn dem Gast also das Programm nicht gefällt, dann geht er wieder raus und geht in die nächste Disko oder Kneipe. Und dass gilt es mit einem gut gemischten Musikprogramm zu verhindern. Ergo ist ein genaues beobachten der Gäste zwingend erforderlich.

Ich beobachte die Gäste bereits beim reinkommen. Was tragen sie für Kleidung. Ist es eine Gruppe, ein Junggesellen/in Abschied, reine Männer- oder Frauengruppen. Sind die Gäste bereits alkoholisiert oder kommen sie nüchtern in den Laden? Mit einer Gruppe, die schon fröhlich ins Lokal kommt, fange ich direkt zu arbeiten.

Ganz wichtig ist meine Verbindung zum Eingang. Das DJ Pult im Ballermann ist im hinteren Teil des Ladens. Ich stehe mit meinem Chef im Blickkontakt. Der mir immer mal wieder Zeichen gibt. Er zeigt mir per Handzeichen. Dann weiß ich, ob ich das Programm anziehen muss und zusehe, dass die Gäste im Laden die Hände wieder nach oben bekommen. Damit die Leute draußen sehen, dass ich Laden der Papst boxt. Und dann Lust haben, zu mir in den Laden zu kommen.

Was bei uns immer sehr wichtig ist, auch mit dem Kellner zu sprechen. Manchmal hab ich das Gefühl, die Gäste haben keine Lust zu feiern. Und dann stellt sich heraus, dass sehr viele ausländische Gäste im Lokal sind. Dann switche ich von deutscher Musik auf internationale Hits.

Einer der wichtigsten Punkte des Crowd Reading ist, die Gäste permanent im Blick zu haben. Dort wo viele Männer und wenig Frauen. Fans von verschiedenen Fußballvereinen usw. aufeinander treffen, ist auch immer sehr viel Konfliktpotential vorhanden. Da heißt es „Holzauge sein wachsam“, um Konflikte bereits im Keim ersticken zu lassen. Das sind die wichtigsten Punkte des Crowd Reading bei mir im Ballermann 6, an der längsten Theke der Welt.

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Crowd Reading oder „Das Publikum lesen“ (Teil 1)

Hand aufs Herz. Jeder DJ, hat folgende Situation schon einmal oder öfter erlebt. Auf einer Hochzeit, einer Zeltparty, im Club oder sonst wo. Egal was du spielst, die aktuellsten Hits, die größten Feten Kracher, keiner bzw. nur wenige Gäste tanzen. Du denkst dir:“ Aber letzte Woche, auf der Hochzeit von Hans und Uschi hat das super funktioniert. Da sind alle megamäßig abgegangen.“ Oder du spielst in einem, dir unbekanntem, Club und ratterst deine Playlist aus deiner Stammdisko runter, weil sie dort funktioniert.

Und als wenn das nicht schon genug wäre, kommt ein angetrunkener Spinner und pöbelt:“ Ist das dein erster Gig als DJ? Bist ja voll der Kracher, tanzt bloß keiner!“ Oder man hält dir Smartphones unter die Nase und bittet dich die persönlichen Playlisten der Besitzer dieses Gerätes zu spielen. Es ist zum verzweifeln. Man möchte nur noch weg!

So oder ähnlich lese ich, fast täglich, Einträge in diversen Foren und Facebook-Gruppen.

Es gibt diese Events bzw. Abende, da kannst du dir noch so ein Bein ausreißen. Es ist einfach nichts zu machen. Ich möchte einige Beispiele nennen. Eine Hochzeit im Sommer. 35 Grad im Schatten. Es ist unerträglich heiß im Saal und alle stehen draußen. Ähnlich geht es auch in Diskotheken zu. Auf privaten Veranstaltungen kommen noch andere Faktoren dazu. Auf einer Hochzeit vor einigen Jahren, wollte das Brautpaar unbedingt vermeiden, dass sie ausgelassene Stimmung verbreiten. Alle anderen sollten feiern und Spaß haben. Das Brautpaar hatte kurz vor der Hochzeit zwei Schicksalsschläge zu verarbeiten. Soweit ich mich recht erinnere haben sie ihr Baby verloren und zwei Wochen vor der Hochzeit ist die Mutter verstorben. Die Gäste fühlten sich dem Brautpaar verpflichtet und es kam einfach keine Stimmung auf. Es war eher wie auf eine Trauerfeier. Leider sagte man mir das erst beim abrechnen. Der Bräutigam war sehr zufrieden mit meiner Leistung. Aber eine Veranstaltung, die unter einem solch Stern steht, ist ja nicht die Regel.

Doch wie ließt man das Publikum?

Ich habe verschiedene Vorgehensweisen. Dazu brauchst du kein Talent, die Macht der Jedis muss nicht mit dir sein und du musst auch keine besonderen Techniken dafür erlernen. Zwei Dinge sind wichtig: Beobachtungsgabe und Feedback.

Beobachtungsgabe

Allein das, was du von deinem Arbeitsplatz aus siehst, kann dir schon eine Menge Informationen bringen. Wie alt sind die Gäste? Sind überwiegend jüngere oder ältere anwesend? Sind Kinder da? Sind verschiedene Nationalitäten anwesend? Und so weiter.

Feedback

Am meisten Informationen bekomme ich jedoch von den Gastgebern bereits im Vorgespräch. Sie sagen mir, im Ideal-Fall, wie viele Gäste anwesend sein werden und wie die Altersstruktur ist. Vor Ort mische ich mich dann unter die Gäste und erfahre im Smalltalk eine Menge über den Musikgeschmack, welche Erfahrungen sie auf letzten Veranstaltungen gemacht haben, ob es familieninterne Lieder gibt (Insiderinformationen) und ich teile mit, dass sie sich nicht scheuen sollen, mir ihre Wünsche mitzuteilen. Ich bin schließlich DJ und kein Gedankenleser. Und die Gäste nehmen mich bereits sehr früh physisch wahr.

In der Regel fange ich auf mobilen Veranstaltungen, bereits während der Nachspeise an, die Musik etwas lauter zu machen. Ich spiele Musik, die wirklich jeder kennt und zu der schon getanzt werden könnte. Für Veranstaltungen, wo die Gäste schwer zu erreichen sind, nutze ich verschiedene Tricks, die auch Vortragsredner und Moderatoren anwenden. Eine gute Moderationstechnik ist für dieses vorgehen erforderlich.

Ich sage den Gästen, was sie tun sollen. Ein Beispiel: „ Sehr geehrte Gäste, darf ich um ihre Aufmerksamkeit bitten. Ich brauche jetzt jeden einzelnen von ihnen auf der Tanzfläche. Wir bilden einen großen Kreis und nehmen das Brautpaar in die Mitte…..“

Dann sage ich was weiter zu tun ist. Ich lass die Gäste schunkeln, klatschen, hole die Eltern-, Großelternteile, die Geschwister usw. mit auf die Tanzfläche. In 80 Prozent der Fälle klappt diese Vorgehensweise. Es ist ein großer Vorteil, wenn die Gäste nicht mehr sitzen und sich bereits auf der Tanzfläche befinden.

Im nächsten Teil

Beschreibe ich, wie ich bei mir im Ballermann 6 vorgehe.

DJ & Moderation

DJ & Moderation

Ich habe in den letzten Monaten eine Menge DJs kennengelernt. Und fast jeder, hatte bzw. hat nicht nur Defizite, was das Thema „Moderation“ angeht.

Erschreckenderweise musste ich feststellen, dass fast alle auch Defizite in den Grundlagen von Kommunikation haben.

DJs, die ja öffentlich auftreten, sollten, nein, müssen die Grundlagen von erfolgreicher Kommunikation beherrschen.

Ich frage mich dann immer: „Warum investieren DJs in teure Technik? In Zertifikate (z.B. „Laserschein“ „DJ Führerschein“ etc.) viel Geld, aber nicht in die Fähigkeit gut Reden zu können?

Isabell Garcia, eine Kommunikationsexpertin, sagt:“Gut reden kann jeder!“
Und sie hat RECHT!!!
Ich empfehle jedem DJ sich die Hörbücher von ihr anzuhören!

www.isabelgarcia.de

Das hören eines Hörbuches ( z.B. bei iTunes für ca. 10€ erhältlich) hat mich weitergebracht als ein Tagesseminar für sehr viel Geld bei einem bekannten TV Moderator.

Ich biete meine Moderation-Seminare für einen fecht günstigen Preis an, da ich weiss, dass bei DJs (eigentlich) immer Geldmangel herrscht.

Natürlich kann der geneigte Leser jetzt sagen:“Hör ich mir für einen Zehner das Hörbuch von Isabell Garcia oder ein anderes an, wenn es dem Holtwick auch geholfen hat… Warum soll ich bei ihm noch ein Moderations-Seminar besuchen?

Zum Beispiel aus folgendem Grund:
Ich gebe im Seminar viele Tipps für die Praxis. Getreu meinem Motto: Aus der Praxis für die Praxis!
Denn:
Ein DJ, der GUT moderieren kann hat die Möglichkeit zusätzlich gutes Geld zu verdienen…. (Beispiele folgen!!!)

Wenn ich Dein Interesse geweckt habe, schreib mir, am besten sofort, eine Mail an:
markoholtwick@gmx.de

Ich sende Dir gerne kostenloses Infomaterial über meine Seminare und Coachingthemen zu.