Was macht einen guten DJ aus?

Ich lese in letzter Zeit immer wieder, das Qualität den Preis ausmacht. Doch wie kann ich die Qualität eines DJs messen?
Viele Mobil DJs, von denen ich auf Facebook und Co lese, setzen die Marke des Equipments als Qualitätsmerkmal für ihre Dienstleistung ein. Keine Frage, wer professionell arbeiten möchte, der braucht gutes Equipment. Als ich noch als Maurer tätig war, habe ich auch Profiwerkzeug gekauft, damit ich nicht jede Woche eine neue Kelle oder Maurerhammer kaufen musste. Aber die Qualität des Werkzeuges, macht noch lange keinen guten Maurer. Genauso wie teures „Markenequipment“ noch lange keinen guten DJ ausmacht.

Doch was macht einen guten DJ aus? Ich vertrete schon seit Jahren die These, dass ein guter DJ:
– mit jedem Equipment gute Musik macht.
– eine Top Musikzusammenstellung hat (damit meine ich keine 20.000 Titel auf der Festplatte)
– Sich auf die verschiedensten Situationen schnell einstellen kann

Sicher gibt es noch einige Punkte mehr, die ich aufführen kann. Aber ich möchte es mal dabei belassen. Ich möchte eher auf die einzelnen Punkte eingehen.

Mit jedem Equipment gute Musik machen. Das bedeutet für mich, dass ich, egal welches Equipment mir zur Verfügung gestellt wird (ob im Club oder mobil), das Optimum heraus hole. Ich verstecke mich nicht hinter Aussagen wie: „Das ist kein Pioneer 600 Mixer oder das ist kein Pioneer Nexus, mit dem Numark oder Gemini-Scheiss kann ich nicht auflegen“. Da ich als Club und Mobil DJ unterwegs bin, bin ich da vielleicht etwas schmerzfreier, als manche Kollegen, die ihr ganzes Geld in Markenequipment gesteckt haben. Eine nette Anekdote dazu. Ich hatte eine Freund, der leaste sich eine HK Anlage mit einem Wert von über 100.000 DM. Dazu die neusten Pioneer CD Player. Er dachte damals. Fette Anlage, fette Aufträge. Er rief einen sehr hohen Preis auf und erläuterte bei den Gesprächen mit Kunden immer, dass er doch Top Equipment arbeiten würde. Seine fachlichen Qualitäten ließen leider zu wünschen übrig.
Ein anderer Freund, kaufte sich eine Hausmarke eines großen Musikhauses und ist damit sehr gut unterwegs. Er wird nicht wegen seiner Anlage gebucht, sondern wegen seiner fachlichen Qualitäten.

Einen guten DJ macht seine Musikzusammenstellung aus. Diese These vertrete nicht nur ich, sondern auch sehr viele Geschäftsführer und Veranstalter, mit denen ich zusammenarbeite. Was nützen einem 20.000 Musiktitel auf der Festplatte? Früher bin ich mit 2 Curverkisten oder zwei Cases Vinyl losgezogen. Wie tausende andere DJs auch. Und? Die Abende haben wir auch gerockt. Mit der Musik, die wir dabei hatten. Und wenn ich ehrlich bin, wenn ich mal privat unterwegs bin und Kollegen lausche. 80% der Musik, die ich höre ist gleich. Es gibt halt aus jeder Dekade bestimmte Hits, die „immer“ laufen. Der Rest ergibt sich beim auflegen.

Sich auf verschiedene Situationen, schnell einstellen. Ich finde, als DJ muss man schnell im Kopf und sehr flexibel sein. Er muss schnell umschalten können und sich auf Situationen einstellen können. Ich musste auf dem Schützenfest in Hannover einmal dafür sorgen, dass Ruhe einkehrt. Die Polizei hatte darum gebeten, weil im Vorbereich ein Schlägerei stattfand. Die Gäste im Zelt sollten nichts davon mitbekommen. Bzw. die Gemüter sollten sich beruhigen. So spielte ich über einen längeren Zeitraum Musik zum „runter kommen“. Doch als wieder grünes Licht kam, zog ich direkt wieder an, so dass die Stimmung in sehr kurzer Zeit wieder „Schützenfesttauglich“ war.
Beispiele für das schnelle Umschalten und reagieren auf diverse Situationen gibt es bestimmt zuhauf. Auch der Leser wird die ein oder andere Situation kennen.
Was ich deutlich machen möchte. Klar, hat Qualität seinen Preis. Aber wie misst man die Qualität eines DJ? Bestimmt nicht an seinem Equipment. Ich denke, ein DJ, der gut ist, den erkennt man an seinen Aufträgen. An den Clubs u Diskotheken in denen er Musik macht. Alles andere ist für mich kein Qualitätsmerkmal.
Ich freue mich auf eine anregende Diskussion und Kommentare.

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4 Kommentare zu “Was macht einen guten DJ aus?

  1. Hallo Marko,
    interessanter Artikel.
    Eine ähnliche Diskussion hatte ich mit einem befreundeten DJ auch.
    Diese ging abseits von der Technik-Frage (nein nicht Tech-Nick fragen 😉 ) aber in eine etwas andere Richtung.
    Er war der Meinung, dass schon alleine die gute Musikauswahl die halbe Miete ist.
    Dem hab ich zumindest in Teilen widersprechen müssen.
    Einerseits lässt sich das Durchschnittspublikum durch eine gute Auswahl leicht begeistern, andererseits muss man, um es zu einem guten oder Top-DJ durchzusetzen, ein äusserst filigranes Gespür entwickeln.
    Es ist demnach essentiell die Tracks und ihre Nuancen zu kennen(oder sich gut vorzubereiten), um diese effektvoll einsetzen und vermischen zu können.
    Jedoch gehen DJs oft unvorbereitet in Auftritte, vielen gelingt es dementsprechend nicht aus dem Stand heraus sinnvoll zusammenpassende Titel spielen zu können, obwohl diese es glauben.
    (Das zum Thema Anpassungsfähigkeit)
    Für mich als Gast und hobbymäßiger DJ ist es oft ein Graus, wenn gute Titel schlecht vermischt werden.

    Generell ist aber ein schlechter DJ nicht nur ein Problem für seine eigene Reputation, sondern auch die des Clubs.
    Als Freundeskreis häufiger Clubgänger mit Affinität zu guter Musik und guten DJs lässt sich der Tenor ziemlich gut fassen:
    Wenn ein Club schlechte DJs engagiert, leidet das sehr unter dessen Popularität.
    Und das ganz abseits eines einigermaßen guten Bookings.
    Gute Clubs in der Szene beweisen sich dadurch, dass sie guten Newcomern eine Plattform bieten und diese fördern.

    Grüße
    Oli

  2. Oliver,

    ich denke (und weiß), dass dein Kumpel recht hat. An erster Stelle kommt aber das Gespühr für die Menschen und eine gute Beobachtungsgabe. Danach wähle ich z.B. meine Musik aus.

    Bitte erläutere mir doch bitte mal, was heißt denn „Durchschnittspublikum“???

    Meinst du damit, die Personen, die zu 80% immer das Gleiche hören wollen, wenn sie auf einer Party oder in einem Club sind?

    Mixen, das wird sowas von überschätzt von vielen. Das Mixen können interessiert keine Sau auf der Tanzfläche. Bestenfalls den DJ, der auf einem Samstag frei hat und hinter dir am Pult steht und jeden „versauten“ Übergang kommentiert.

    Gute Clubs, mein Lieber, geben Newcomern eine Chance, da stimme ich dir voll zu. Aber bestimmt nicht in dem Sinne, wie du es meinst. Gute Clubbetreiber und deren DJ´s erkennen einen guten Newcomer an seinen Worten und Taten und fördern ihn, indem sie ihn dem Stamm DJ an die Seite stellen. Er vielleicht am Anfang und am Ende ein paar Platten drehen darf…Was immer erweitert wird…

    Was mich aber noch brennend interessieren Würde… Deine Affinität zu guter Musik. Was verstehst du, denn unter „Guter Musik“?

    Meine Definition von guter Musik. Wenn ein Titel aus den 50ern auch heute noch den Dancefloor zum toben bringt. Dann spreche ich von guter Musik… 🙂

  3. Hallo Marko,

    Danke für die schnelle Antwort.

    Ich denke ich habe deinen Artikel eher aus einem anderen Hintergrund interpretiert.
    Persönlich bin ich eher in der elektronischen Szene zuhause, daher auch der Schwerpunkt auf der technischen Ausführung der Übergänge.

    Und ja, mit dem Durchschnittspublikum meine ich genau die die angsprochen hast.
    Klar, die meisten interessiert das Mixen nicht wirklich, das ist aber auch das Publikum, das sich weniger für den DJ als Person interessiert.
    Diese finden es toll, wenn die neusten Charts und ein paar All-Time-Classics kommen. Gibts auch grundsätzlich nichts dran auszusetzen.

    Mein Punkt war ja, dass man es (im elektronischen Genre) mit der reinen Musikauswahl es nicht unbedingt weit packt.
    Dort sind technische Ausführung und Übergänge (mit WOW-Effekt) wichtiger als in manch anderen Musikrichtungen.
    Das ist in dem Zusammenhang auch mit guter Musik gemeint. War wohl etwas missverständlich ausgedrückt.
    Das hat im Grunde auch nichts mit der Musikrichtung zu tun. Es gibt in jedem Genre tolle Titel. Von den 50ern bis heute. Unbestritten.

    Dass das Gespür für die Menschen im Publikum unabdinglich ist, kann ich nur zustimmen.
    Ohne das bekommt man auch die Crowd nicht zum abfeiern. Egal wo und was man spielt.
    Und ja, die Schultergucker können auch aus eigener Erfahrung ziemlich auf die Nüsse gehen^^

    Das mit dem Fördern und eine Plattform bieten war ja nur in einem Satz zusammengefasst.
    Mir ist klar, dass das auch immer anders aussieht.
    Beispielsweise durch gelegentliche Auftritte, Kontakte oder Wildcard-Wettbewerbe.

    Ich werd mich sicher noch ein bisschen mit deinem Blog beschäftigen.
    Interessante Artikel hast du ja da 🙂
    Wie lange betreibst du ihn schon?

    • Hi Oliver,

      gerade im elektronischen Bereich wírd die Technik überbewertet. Gerade hier kommt es darauf an, dass der DJ sich halt nicht nur auf seine „Übergänge“ fixiert. Sondern er muss noch viel stärker auf die Leute im Club achten. Und noch viel mehr auf die Musikauswahl… Die Leute, die du beeindrucken möchtest mit deinem Mixing, sind nämlich nicht so leicht zufrieden zu stellen, wie das „Durschnittspublikum“… Wobei, ich in den letzten 20 Jahren die Erfahrung gemacht habe, dass die auch im sitzen kacken müssen und überhaupt nur eine „coole“ Fassade haben und deshalb in solche Clubs gehen.

      Ich gehe, privat auch gerne in diese Clubs. Höre gerne elektronische Musik. Dieser Blog befasst sich aber eher mit Themen für den „durchschnitts DJ“ mit „durschnitts Publikum“ 🙂

      Vielen Dank für dein Lob..

      Gruß
      Marko

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